Amüsanter Clip. Was haben digitale Medien und Stadträume miteinander zu tun? Eine Menge. Und in Zukunft noch sehr viel mehr. Dass wir detaillierte Spuren im Internet hinterlassen, das hat sich wahrscheinlich schon bis zum “ab und zu” -User herumgesprochen. Inzwischen sind viele Menschen, besonders jüngere, in den unterschiedlichsten “Social Networks”, von Facebook bis zu den diversen VZs, zuhause und informieren andere Nutzer (und Gott und die Welt) über private und berufliche Dinge. Wen das interessiert? Egal. Generiert werden in jedem Fall unendliche Mengen an Daten. Das ist die relevante (Netz-) Währung, je persönlicher, je situations- und ortsgebundener, umso besser. Um diese Datensätze herum werden Werbeinhalte konzipiert. Scheinbar passgenau auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten. Immer und überall. Kann sein, dass das jemand toll findet und begrüßt. Vorstellen muss man sich das aber eher als Plage, wie einen nervigen und peinigenden Mückenschwarm, den man nicht mehr los wird. Heute auf den Desktops und Notebooks,  schrittweise auf mobilen Geräten, später auf allen möglichen Objekten. Großen und kleinen. Auf Straßen, Plätzen, Gebäuden, Tag und Nacht. Orwell? Harmloses Vorspiel.

Einen Schritt weiter

Manchmal liegen Themen an verschiedenen Orten zur gleichen Zeit in der Luft. Möglicherweise gibt es rationale Gründe dafür. Oder die Zeit ist einfach reif. Mit dem Thema “Stadtentwicklung” und den damit verknüpften, neuen Aufgaben für Designer haben sich auch ein paar kulturelle Einrichtungen in Wien auseinandergesetzt und um internationale Ideenbeiträge gebeten. Die prämierten Ergebnisse sind jetzt bis Mitte September im MAK zu sehen. Besonders interessant ist die Auseinandersetzung des Teams Wollersberger und Charlesworth, das versucht hat, den Ressourcenkreislauf im urbanen Alltag zu visualisieren.

Über den Horizont schauen

Was steht an? Entwicklungen, die eventuell Einfluss auf unser zukünftiges Leben haben werden, müssen identifiziert, beobachtet und kritisch befragt werden. Möglicherweise kann man “antizipativ” etwas lernen, also vor dem eigentlichen Problemfall Sorge dafür tragen, dass die Problemursache gar nicht erst entsteht. Schwieriger getan als gesagt. Denn dazu muss man ziemlich weit aus dem eigenen (Elfenbein-) Turm schauen und Dinge wahrnehmen, die man sonst überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen würde. Weil sie uns scheinbar nichts angehen, weil wir keine Zusammenhänge und Bezüge zu unserem Alltag und uns selbst herstellen können (oder wollen), weil Trägheit den Blick verengt. Vielleicht nicht ganz so negativ? Ein recht brauchbarer Ansatz, um ein wenig Dynamik in selbstbezogene Perspektiven zu bekommen, liegt im bewusst herbeigeführten Diskurs unterschiedlicher fachlicher Wahrnehmungen und Verständnisse. Interdisziplinäres Arbeiten, sagt man dazu. Sogenannte Monitoring- und Foresight-Prozesse oder Szenarioplanungen bauen darauf auf. Die seit geraumer Zeit geführten Diskussionen über “Design Thinking“, die Design als komplexe soziologische, technologische und gestalterische Entwicklungsarbei sehen, knüpfen konsequenterweise den Faden in Richtung “Foresight” beziehungsweise “Future Thinking“. Anspruchsvoll, aber sehr anregend.

Die amerikanische Debatte über die Folgen (und möglichen Konsequenzen) der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist in vollem Gang. Innovativen, eher intellektuell geprägten Gruppierungen an der West- und Ostküste stehen die Ölindustrie und der stockkonservative Mainstream entgegen. Die einen befürworten eine sofortige “green-tech” Revolution, die anderen haben Panik, ihre Klimaanlagen abstellen zu müssen und nicht mehr jeden Schritt mit dem großen Pick-up machen zu können. Dennoch bewegt sich was, das Thema ist allgegenwärtig. David Braun, leitender Journalist des “National Geographic”, hat aktuell  “zehn Mythen” zu den Folgen der Deepwater-Katastrophe zusammengetragen. Wahrscheinlich ein langer Prozess des Umdenkens, aber zu stoppen wird er auch in den USA nicht mehr sein. Und hier? Kleine Schritte, die jeder machen kann. Auto stehen lassen, ÖPNV nutzen, Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen. Wenigstens im Sommer eine der leichteren Aufgaben.

Nutzhandwerk

Photo: Ken Botnick (Design Observer)Dinge für den Alltag praktisch zu machen, das gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Designers. Leichter versprochen als entwickelt. In einem sehr lesenswerten Artikel für den Design Observer erläutern Ken Botnick und Ira Raja die künstlerische Cleverness indischer Handwerker, die mit einfachen Mitteln und sicherem Auge für das Sinnvolle und das Machbare Alltagsdinge “umfunktionieren”. Daraus ableiten liesse sich sehr schön, was es mit dem malträtrierten Buzzword Innovation eigentlich auf sich haben sollte: Elemente ohne Ressourcenexzesse so zusammenfügen, dass neue nutzwerte Anwendungen möglich sind. Die in den USA an Hochschulen und in Fachzirkeln mittlerweile intensiv geführte Debatte über “design thinking” als Produktentwicklungsprozess bekommt mit dem Erfindungsreichtum indischer Handwerker eine ziemlich pragmatische – und sympathische – Bodenhaftung. Der oben gezeigte Sattelüberzug hat vor allem den Effekt, das eigene Rad inmitten hunderter anderer, kaum unterscheidbarer Drahtesel, sofort identifizieren zu können. Weniger Rohstoffverbrauch, mehr Kreativität.