Schulden bis zum Abwinken, eine substantiell älter werdende Gesellschaft, die Erosion der Sozialsysteme, eine kaum koordinierbare Parallelexistenz von (Sozial-) Staat und (globaler) Finanzwirtschaft, der Klimawandel, das Ende des Öls, die allgemeine Gier und das Versauen der Umwelt. Sonst noch was? Reicht eigentlich. Nachvollziehbar, wer Symptome der Depressivität bei sich entdeckt. Aber es hilft nichts, die Dinge müssen zur Kenntnis genommen werden. Und Ideen und Perspektiven (die diese Bezeichnung auch verdienen) sind gemeinsam zu entwickeln: Über den kommunalen, regionalen oder nationalen Tellerrand hinaus. Gegen die grassierende Trägheit. Und mit Offenheit, wo die Reise hin gehen soll, vor allem aber auch mit dem Willen, etwas politisch loszutreten, das größtenteils erst jenseits von Legislaturperioden Früchte tragen wird. Einspruch, es geht uns doch gut, wo ist das Problem? Der in Berlin lebende schweizer Journalist Ronnie Grob hat die Situation recht unverstellt zusammengetragen. Sollten wir was tun?

Lebensgrundlagen

Die nächsten Jahrzehnte werden gravierende Veränderungen für das Leben in der Städten mit sich bringen. Immer weniger Geld in den kommunalen Kassen, egal wie florierend sich die Wirtschaft entwickelt, die Folgen des demographische Wandels werden kaum noch Investitionsspielräume zulassen. Aber es geht nicht nur um das Ausgeben, sondern auch um das Gestalten bestehender sozialer und kultureller Rahmenbedingungen. Die Bertelsmann-Stiftung hat mit dem “Wegweiser Kommune” ein interessantes Portal mit einer Menge an Daten, Grafiken und weiterführenden Hinweisen eingerichtet. Nun ist die Stiftung aus Gütersloh bekanntlich keine rein öffentliche Einrichtung und versucht in anderen Bereichen, etwa der Bilung, auch immer wieder bestimmte gesellschaftspolitische Akzente zu setzen. Das sollte man ganz am Rande zumindest zur Kenntnis nehmen.  Der Qualität der Initiative tut dies in diesen Fall – gegenwärtig – keinen Abbruch.

Hochdruckkessel

Dass sich mit der Globalisierung die wechselseitigen Bezugsgeflechte vervielfacht und dabei Tempo sowie Druck in den inneren Abläufen erheblich erhöht haben, sollte spätestens mit dem wirtschaftlichen Infarkt der letzten eineinhalb Jahre deutlich geworden sein. Die nationalstaatliche Handlungsautonomie hat sich plötzlich als ziemlich beschränkt erwiesen, raus aus dem Schlamassel geht es nur noch gemeinsam. Ein paar Etagen tiefer, im regionalen oder städtischen Umfeld sehen die Aktionsmöglichkeiten noch bescheidener aus. Augen zu und hoffen, ohne Totalschaden durchzukommen. Das scheint an den meisten Orten angesichts sich rapide leerender Kassen die Haltung der Stunde zu sein. Gäbe es Alternativen? Möglicherweise, aber garantiert keine einfach vermittelbaren. Eigentlich ist das so etwas wie die gelbrote Karte für die Politik. Beim nächsten – kurzfristig sowieso nicht haltbaren Versprechen – droht der Platzverweis. Für das demokratische Ringen um den richtigen Weg sind das keine guten Zeiten. Die teuflisch-verführerische Eigendynamik zwischen Wirtschaftspolitik, Investoreninteressen, Renditerwartungen, Terminbörsen, Fonds, Banken und Rohstoffmärkten ist im Grunde kaum mehr durchdringbar. Auch weil viele Investitionsentscheidungen inzwischen die Folge weltweit automatisierter Computerprozesse sind. Könnten städtische Kindergärtenplätze und die Anlagestrategien amerikanischer Pensionsfonds miteinander etwas zu tun haben? Unmittelbar nicht, aber einmal um die Ecke denken, schadet nicht. Ullrich Fichtner hat das Thema “globale Spekulation” in einem spannenden Aufsatz im “Spiegel” zusammengetragen.

Leuchttürme

Spektakuläre Architektur ist im vergangenen Jahrzehnt zur Mode geworden. Damit lassen sich eitle Repräsentationsbedürfnisse privater ebenso wie öffentlicher Bauherren wunderbar befriedigen. Dass hinter den meisten “Wunderwerken” nicht viel Funktion und Sinnhaftigkeit steckt, sondern meist der oberflächliche Reiz einer gestylten Hülle ohne langfristig tragfähiges Konzept steckt, das ging im Rausch medienöffentlicher Aufmerksamkeit unter. Gut, Neues findet seinen Weg selten ohne Widerstände und Protest, aber Vernunft und Augenmaß, ganz besonders in Zeiten rapide schmelzender öffentlicher Mittel, schienen bei manchen kommunalen Gr0ßbauten keine wirkliche Rolle zu spielen. Ein interessantes Beispiel: Die Elbphilharmonie in Hamburg. Die schweizer Architekten Herzog & de Meuron, im Gegensatz zu anderen, eher selbstgefälligen Baukünstlern, ohne Zweifel Erstligisten in ihrem Fach, haben mittlerweile substantielle “Probleme” mit dem Senat und dem verantwortlichen Bauunternehmen Hochtief. Die Kosten haben sich bis zum gegenwärtigen Zeitunkt verdreifacht. Ende offen. Vielleicht wäre es ein paar Klassen kleiner von Anfang an auch gegangen? In der FAZ äußerte sich Pierre de Meuron zum neuen Problem -”Wahrzeichen” der Hansestadt.