Male or female?

Zukunft beginnt in den Köpfen. Bei der Einstellung in Unternehmen wird immer wieder über eine “Mindestfrauenquote” diskutiert. Frankreich fordert beispielsweise einen Frauenanteil von 50 Prozent in den Aufsichträten. Ein Vorbild? Hierzulande saßen 2007 nur 13 Prozent Frauen in den obersten Entscheidungsgremien der Unternehmen. Das liegt größtenteils daran, dass Frauen – aus verschiedenen Gründen – Teilzeitbeschäftigungen wählen. Würde es für Frauen mit einer sanktionierten Quotenregelung in Unternehmen leichter, Familie und Job zu vereinen? Wohl kaum. Politik und Unternehmen wetteifern bei der vermeintlichen Rettung der Frau aus beruflichen “Seitenstrassen”. Und Unternehmen wissen eigentlich , dass gemischte Teams kreativer und innovativer arbeiten. Durch eine Geschlechterquote soll diese Kreativität nutzbar gemacht werden und zur Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beitragen. Super, aber bitte ohne Quotenregelung. Dafür aber flexiblere Arbeitszeitmodelle für alle. Männer und Frauen. Mehr dazu am 15.7. auf den “Wissenswelten”.

Schulden bis zum Abwinken, eine substantiell älter werdende Gesellschaft, die Erosion der Sozialsysteme, eine kaum koordinierbare Parallelexistenz von (Sozial-) Staat und (globaler) Finanzwirtschaft, der Klimawandel, das Ende des Öls, die allgemeine Gier und das Versauen der Umwelt. Sonst noch was? Reicht eigentlich. Nachvollziehbar, wer Symptome der Depressivität bei sich entdeckt. Aber es hilft nichts, die Dinge müssen zur Kenntnis genommen werden. Und Ideen und Perspektiven (die diese Bezeichnung auch verdienen) sind gemeinsam zu entwickeln: Über den kommunalen, regionalen oder nationalen Tellerrand hinaus. Gegen die grassierende Trägheit. Und mit Offenheit, wo die Reise hin gehen soll, vor allem aber auch mit dem Willen, etwas politisch loszutreten, das größtenteils erst jenseits von Legislaturperioden Früchte tragen wird. Einspruch, es geht uns doch gut, wo ist das Problem? Der in Berlin lebende schweizer Journalist Ronnie Grob hat die Situation recht unverstellt zusammengetragen. Sollten wir was tun?

Early sneak

Kurz mal den Vorhang lupfen und einen Ausblick auf die Arbeiten der am Projekt r21 beteiligten Multimedianer der Hochschule Augsburg werfen? Gerne. Alle Filme und Animationen (und natürlich noch sehr viel mehr) sind am 15.7. ab 10 Uhr den gesamten Tag im Rahmen der Wissenswelten zu sehen. Zukunft ist die Zeit, die der Gegenwart folgt. Heute nachdenken, morgen danach handeln. Ganz einfach, oder?

Über den Horizont schauen

Was steht an? Entwicklungen, die eventuell Einfluss auf unser zukünftiges Leben haben werden, müssen identifiziert, beobachtet und kritisch befragt werden. Möglicherweise kann man “antizipativ” etwas lernen, also vor dem eigentlichen Problemfall Sorge dafür tragen, dass die Problemursache gar nicht erst entsteht. Schwieriger getan als gesagt. Denn dazu muss man ziemlich weit aus dem eigenen (Elfenbein-) Turm schauen und Dinge wahrnehmen, die man sonst überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen würde. Weil sie uns scheinbar nichts angehen, weil wir keine Zusammenhänge und Bezüge zu unserem Alltag und uns selbst herstellen können (oder wollen), weil Trägheit den Blick verengt. Vielleicht nicht ganz so negativ? Ein recht brauchbarer Ansatz, um ein wenig Dynamik in selbstbezogene Perspektiven zu bekommen, liegt im bewusst herbeigeführten Diskurs unterschiedlicher fachlicher Wahrnehmungen und Verständnisse. Interdisziplinäres Arbeiten, sagt man dazu. Sogenannte Monitoring- und Foresight-Prozesse oder Szenarioplanungen bauen darauf auf. Die seit geraumer Zeit geführten Diskussionen über “Design Thinking“, die Design als komplexe soziologische, technologische und gestalterische Entwicklungsarbei sehen, knüpfen konsequenterweise den Faden in Richtung “Foresight” beziehungsweise “Future Thinking“. Anspruchsvoll, aber sehr anregend.

Zehn, neun, acht…

Zehn Tage noch bis zu den “Wissenswelten” auf dem Campus der Universität Augsburg am 15.7.2010. Die Vorbereitungen des “r21″-Teams, das mit einer außenräumlichen Installation in Form mehrerer modularer Informationskörper zum großen Themenbereich “Zukunft  Stadt” präsent sein wird, laufen auf Hochtouren. Online wird es bald weitere Previews geben. Noch ist alles im grünen Bereich, noch kapituliert die Technik nicht, noch sind keine Vorzögerungen bei der Herstellung von Text, Bild, Grafik und Raumkörpern, keine Meuterei im Team zu befürchten. Kann ja alles noch kommen. Gespannt bleiben.

Wie sollen Verkehrsangebote und -möglichkeiten in den großen Stadträumen der Zukunft aussehen? Vor allem, wieviel Umweltverträglichkeit ist, nüchtern betrachtet und mal völlig abgehoben, überhaupt möglich und welche Transportmittel kommen dafür in Frage? Damit hat sich, für zehn verschiedene Städte weltweit, in den vergangenen Monaten das in New York sitzende “Institute for Transporation & Development Policy” beschäftigt. Das Projekt hieß “Our cities, ourselves” und versuchte der Frage nachzugehen, wie gelöst vom Druck, den Stadtverkehr der Zukunft konventionell “motorisieren” zu müssen, Möglichkeiten aussehen könnten. Die Ideen sind jetzt in New York zu sehen und sollen danach auf Tour gehen. Inspirierend.

Stadtlabor

Exemplarisch für die wachsende Wohnraumproblematik großer Städte ist die Situation in München. Natürlich auf einem sehr exponierten Level, aber dennoch: Es gibt kaum noch Liegenschaften auf die die Kommune selbst steuernd zugreifen könnte. Private Bauträger halten sich zurück oder kommen nicht an passenden Baugrund. Zumindest nicht an solchen, der, bebaut, lukrative Renditen verspricht. Die schlechten Lose gezogen haben dabei junge Familien und Ältere, die jeden Euro umdrehen müssen. Problematisch für die Städte: Die Zentren laufen zusehends Gefahr, zu Biotopen für besonders Wohlhabende zu werden, in den Randgebieten sammelt sich der Rest. Eigentlich heißt eine simple Gleichung: Stadt = Vielfalt. Und zwar nebeneinander und miteinander. Zur aktuellen Lage in München ein Beitrag von Michael Tibudd in der Süddeutschen Zeitung.